Psychose und Gewalt

Charakteristische Antworten aus Psychoseseminaren

Erfahrene:

„Ich unterscheide noch zwischen Angehörigen, nahen und fremden Menschen. Denen gegenüber werde ich sogar handgreiflich. Ich lasse in der Psychose alles ab, was sich über Jahre anstaut. Im Nachhinein schäme ich mich und bin sehr erschrocken, was ich anrichte.“
 
„Ich nenne das Königspsychose, da überschreite ich Grenzen. Das ist wie ein Befreiungsschlag: an seine Grenzen kommen, das will ich auskosten. Tun, was ich mir sonst nie erlauben würde: einen Feuerlöscher in eine Tankstelle werfen.“
 
„Wenn ich Schluss machen will, bin ich ganz nach innen gekehrt. Die Gefahr kann für Außenstehende nicht bemerkt werden. Wenn der Entschluss gefasst ist, kommt die Ruhe und es wirkt, als wenn Friede einkehrt.“

Angehörige:

„Ich weiß nicht, ob es wirklich Gewalt ist oder nur meine Phantasie. Manchmal habe ich Angst, was passiert, wenn er seine Phantasien umsetzt. Gewalt ist natürlich abhängig von dem, der sie bewertet.“
 
„Ich wurde ganz plötzlich angegriffen, bekam Faustschläge ins Gesicht. Ich war ganz fassungslos. Der hat sich drauf rausgeredet, dass er krank sei und dass niemand ihm was machen könne. Das finde ich nicht richtig. [...] Ich hätte mir gewünscht, dass der nach Brandenburg in die Psychiatrie kommt.“

Professionelle:

„Besonders der Umgang mit Aggressivität und Gewalt fällt uns allen nicht leicht. Schulungen für Professionelle besonders im De-Eskalieren finden nur begrenzt statt.“
 
„Der Alltag auf den Stationen ist davon [Gewalt] nicht geprägt, es kommt eher selten zu wirklich gefährlichen Situationen. Aber es gibt unvermittelt Situationen, in denen unvorhersehbar Gewalt aufbricht.“
 
„Wir sind oft machtlos, wenn jemand beschließt aus dem Leben zu gehen, besonders, wenn er sich vorher nicht äußert.“