Psychose: Wahn und Sinn

Charakteristische Antworten aus Psychoseseminaren
 
Erfahrene:

„Es ist wie ein Zum-Kind-Werden. Das Gebäude aus Lügen, Verdrängtem und Unbewusstem löst sich auf.“
 
„Eine Psychose ist dazu da, um daran zu wachsen. Wenn ein Arzt sofort Maßnahmen zur Reduzierung der Psychose ergreift, raubt er diese Erfahrung und begrenzt sie willkürlich.“
 
„Für mich sind Psychosen Krankheiten, wie Krebs oder Diabetes. Sie zerstören alles, Familie und Partnerschaft. Ich sehe darin keinen Sinn. Ich kann das nur als krankhaft verstehen. Nur so kann ich die Psychose annehmen.“

Angehörige:

„Ich kann ihm in der Psychose nicht folgen. Er versucht es mir zu erklären. Man muss viel Verständnis aufbringen.“
 
„Es gibt, meine ich, nicht nur externe, sondern wie bei unserm Sohn auch interne Einflüsse: Das Interne ist tiefsitzender, gravierender. Es können nicht nur äußerliche Einflüsse sein. Mit fehlt alles, um zu begreifen, was da vorgeht und warum Psychose passiert.“
 
„[...] richtig kapieren tut man’s nie, auch später auch nicht!“
 
„Mir scheint die Psychose oft wie eine Flucht nach vorn, als Mittel gegen das Alleinsein.“

Professionelle:

„Kampf gegen Psychosen führen zu wollen, auch wenn es gut gemeint ist, geht schief. Psychose ist Suche nach etwas. Was gefunden wird, damit kann ich oft nichts anfangen.“
 
„Zwar ist es unerlässlich, wenn ich in der Psychosen Grenzen setze, aber ich muss auch Raum geben, weil Psychosen einen Sinn haben. Dazu ist ein geschützter Raum, wichtig, um die Psychose zu leben. Der Weg ist das Ziel, gerade wenn man von Weg abkommt.“
 
„Verhindert die Psychose noch Schlimmeres? Ist sie ein Schutz vor einer seelischen Explosion? Haben Psychosen Ventilfunktion?“